Pia Schaf & Gaby Bohle

Modern Life School // Ideen fürs Leben

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1.  „We love what we do“ ist die Überschrift unseres Blogs – damit sprechen wir Menschen an, bei denen wir das von außen betrachtet so sehen. Ihr habt eure gemeinsame Werbeagentur aufgegeben und vor 5 Jahren die „Modern Life School“ gegründet. Wie kommt man auf so eine Idee? Aus Begeisterung oder aus eigenem Leidensdruck?

pia // So, wie andere für Kreativität, für Konzepte, für Design brennen, brenne ich für Beziehungen mit Menschen. Das war für mich auch in Agenturzeiten das Wichtigste. Vielleicht wird in der Werbung ein bisschen dicker auftragen, aber es sollen trotzdem doch langfristige Beziehungen zum Kunden aufgebaut werden. Die meisten Auftraggeber wollen aber nur noch verkaufen. Ich bin immer weniger damit klarkommen, wie bei der Arbeit zwischen Auftraggeber und Agentur mit Menschen umgegangen wird. Mich hat das total ausgebrannt und mein Körper hat mir signalisiert, dass ich etwas ändern muss.

Gaby hatte mir von zwei Schulen in London erzählt, der „The School for Life“ und der „Idler Academy“. Ich war sofort davon begeistert, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen in ihrem Alltag wieder philosophieren, über sich und den Sinn des Lebens nachdenken, Kultur erleben, sich von tollen Denkern inspirieren lassen und mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren. Und das alles bei Wein und leckerem Essen. Da war schnell klar, ich will die Agentur gar nicht mehr, sondern das. Gaby ist da Gott sei Dank mitgezogen und hat dem Ganzen ein Gesicht gegeben. Vom Raum bis zum Weinflaschenetikett, sie ist der kreative Kopf der „Modern Life School“. 

Ich glaube, dass ich extrem idealistisch bin. Ich möchte einen Ort schaffen, an dem Menschen zusammentreffen und mit Inspiration für Neues nach Hause gehen. Genau aus diesem Grund kommen Leute wie die Philosophin und Autorin Natalie Knapp hierher und halten Vorträge im kleinen Kreis: „Das ist mein Wohnzimmer“, sagt sie. Hier weiß sie, dass sie die Leute erreicht, dass sie sie berührt und in direkten Kontakt mit ihnen tritt. Darum machen wir das.

Solche Begegnungen sind wichtig, denn was die Welt nicht mehr, oder zu wenig hat, ist Ethik, sind Werte. Wenn wir überlegen, dass wir in einem Zeitalter leben, wo wir von der Industrialisierung in die Digitalisierung gehen, schaffen wir diesen Weg nur, wenn wir auf allen Ebenen autonome selbstbewusste Menschen haben, die loyal und vertrauensvoll miteinander arbeiten und miteinander umgehen, ohne dieses Misstrauen, ohne dieses von oben nach unten Denken und Delegieren. Mit dem Zulassen und Wertschätzen, dass nicht jeder Führungskraft sein möchte, dass es Menschen gibt, die zu Recht sagen „Hey, ich mache gerne einen guten Job und bin loyal, aber ich möchte bitte auch abends nach Hause gehen und dann ist Feierabend! Weil ich noch andere Interessen, Familie, Hobbys habe.“ Das muss zulässig sein, ohne diesen Karrieredruck. 

 

2. Wie war das bei dir, Gaby?

gaby // Ich hatte nicht den Leidensdruck wie Pia, da ich neben dem Agenturgeschäft noch mein Fotostudio hatte, diese Arbeit macht mir bis heute Spaß. Aber auch ich hatte deutliche Veränderungswünsche. Wir waren beide mega-frustriert und genervt und wollten etwas Anderes machen. Ich hatte die Schule in London entdeckt. Dieses ganze Konzept einer modernen Lebensschule mit Themen, die die Menschen interessieren, gekoppelt an Bücher und Produkte; sich mit Menschen auszutauschen, die neugierig sind, das fand ich reizvoll, so etwas gab es in Deutschland nicht. Und sowas passt gut zu uns, da können wir beide unsere Stärken ausleben.

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3. Die Kunst des Philosophierens: Kann man das lernen oder braucht es dazu eine gewisse Lebenseinstellung? 

pia // Man muss da unterscheiden. Speziell in Deutschland wird Philosophie sehr akademisch gesehen. Philosophie, wie zum Beispiel die alten Griechen sie sahen, ist eine beständige Selbstreflexion, eine Art Selbsttherapie. Viele Übungen, die dir Coaches heute mitgeben, kommen aus der philosophischen Übung, dieses Reflektieren, sich jeden Tag rückzubesinnen. Die Frage „Was war heute gut an diesem Tag?“ ist eng mit der Frage verknüpft, was ein guter Tag überhaupt ist, wie er sich definiert. Philosophie ist auch Seelenhygiene, die du betreibst, damit du für dich in deinem Leben geerdet und du selbst bleibst. Was wir hier wollen, ist das gute philosophische Gespräch. Wenn man nicht nur Stammtischgelaber betreiben möchte, sondern darüber nachdenkt, ob es wirklich wahr ist, was man sagt. Dann lebst du in der Sekunde, in der du dich nicht nur von Oberflächlichkeiten ablenken lässt.

 

4. Was für Menschen interessieren sich für eurer Kursprogramm? Karriereoptimierer oder Work-Life-Balance-Typen?

pia // Weder noch. Bei uns wird nicht „optimiert“, wir stellen das eher in Frage, und an „Work-Life-Balance“ glauben wir auch nicht. Unsere „Schule fürs moderne Leben“ ist für alle, die mehr Fragen stellen als: „Na, wie geht’s?“. Hierher kommen die unterschiedlichsten Menschen. Viele haben Fragen, sind neugierig und wollen sich inspirieren lassen. Manche sind auch ausgebrannt und sagen: “Das kann’s doch nicht gewesen sein, ich geh doch nicht nur arbeiten. Wofür mache ich das eigentlich? Ich will mich auch mal selbstverwirklichen und wissen, was es sonst noch alles gibt.“ Die jüngere Generation fängt tatsächlich viel früher damit an und lässt nicht mehr alles mit sich machen. Da will keiner mehr 50 bis 60 Stunden die Woche arbeiten, nur um Miete zahlen zu können und zu überlegen, ob man auch noch mal in Urlaub fahren kann. Schönerweise ist diese Generation sehr begierig darauf noch andere Inspirationen zu bekommen und für sich noch andere Antworten auf die immer gleichen, jahrtausendealten Fragen zu finden: Wer bin ich? Wer will ich in dieser Welt sein?

 

5. Trotzdem ist es aber doch ein elitärer Kreis, den ihr hier ansprecht. Da kommt doch nicht die „einfache“ Hausfrau zu euren Veranstaltungen, oder? Und wenn, dann nur, wenn die Freundin mitkommt.

pia // Tatsächlich ist es bei den Älteren so. Die kommen, wenn die Freundin mitkommt. Einige haben Schwellenangst, das stimmt. Aber bei den Jüngeren trifft das schon nicht mehr zu. Die Jüngeren brennen ganz anders.

gaby // Ich hoffe nicht, dass wir uns an einen elitären Kreis richten. Das ist ja auch die Kunst der „schoolmaster“, unserer Philosophen, Soziologen, Psychologen und Lebenskünstler mit denen wir zusammenarbeiten, dass sie es bei den Veranstaltungen schaffen, die Leute nicht auszuschließen, sondern alle mit einzubinden. Manchen ist es dann vielleicht auch zu einfach, aber das ist uns lieber so als anders herum. Wir wollen nicht den Elfenbeinturm der Philosophie, wir wollen runter auf die Straße und jeden erreichen können. Derjenige, dem es das wert ist, für so einen Abend 38 oder 45 Euro zu zahlen, hat natürlich schon einen gewissen Anspruch. Früher gab es das gute Gespräch beim Friseur, beim Metzger oder in der Dorfkneipe, auf dem Dorfplatz. Du hast viel mehr Orte gehabt, an denen du dich mit anderen Menschen austauschen und mit dem Leben auseinandersetzen konntest. Der Dorfplatz fehlt – und wir sind ein moderner Dorfplatz.

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6. Sich mit sich auseinander zu setzen und Dinge in Angriff zu nehmen und sich mit anderen auszutauschen, passiert meist nur aus Liebe oder hohem Leidensdruck. Welche Motivation hat eure Zielgruppe, hierherzukommen?

gaby // Ist das so? Sicher erhöht ein gewisser Leidensdruck die Bereitschaft, etwas in seinem Leben zu ändern. Noch besser ist es, man überlegt sich früher, wer man im Leben sein möchte, was einen glücklich und zufrieden macht. Und da sich diese Dinge im Laufe des Lebens immer wieder ändern, ist es eine ständige Aufgabe, sich darüber Gedanken zu machen. Es sind die Fragen, die spätestens ab der Hälfte des Lebens fast jeden Menschen betreffen. Es geht um Sinn, um das Glück, um Gesundheit, die Arbeit, Familie und Freundschaft. In den Buchläden gibt es haufenweise Ratgeberliteratur und wir stellen immer wieder fest, dass die Menschen am liebsten eine Liste hätten, auf der draufsteht, was alles zu tun ist, um glücklich, zufrieden, erfolgreich und schlank zu werden. Diese Rezepte gibt es aber nicht. Die Menschen lernen hier wieder selber zu denken und die für sich passenden Antworten zu finden.

pia // Wenn wir hier unseren Philo-Stammtisch machen, dann kommen die Leute, sitzen an einer langen Tafel und diskutieren mit jungen Philosophen und auch mit mir über Politik, über Gesellschaftsthemen und über den Alltag. Zum Beispiel zu dem Thema „Ist Loyalität heute im Berufsumfeld wichtig?“ Dann gibt es Berichte aus dem Alltag. Die werden reflektiert und so kreieren alle gemeinsam ein philosophisches Gespräch! Und darum geht es: Den Raum zu schaffen, um solche Gespräche zu initiieren und stattfinden zu lassen. Wenn ich für andere eine Veranstaltung zum Thema „Freiheit“ mache, bekommen die von mir keinen Vortrag. Ich gehe mit den Anwesenden von Anfang an ins Gespräch, in die Diskussion: Warum ist das so? Wie definieren wir das?

 

7. Gibt es ein philosophisches Lieblingsthema?

pia // Montaigne, mein Lieblingsphilosoph hat gesagt: „Nur wer das Sterben versteht, versteht das Leben.“ Ich komme vom Dorf, der Tod war für mich immer selbstverständlich, ich habe da keine Berührungsängste. Meine Mutter war Krankenschwester und ich habe mit 7 Jahren meine erste Leiche gesehen. Das war normal. Dass alles vergänglich ist, dass es wiederkommt, dass es einen Kreislauf gibt. Und als ich dann in die Stadt kam, ist mir diese Wahnsinnsangst der Menschen begegnet. Ich habe einfach das Bedürfnis, ihnen diese Angst zu nehmen.

gaby // Es gibt tatsächlich zwei Themen, die hier zumindest nicht gut laufen. Das ist einmal der Tod und dann die Liebe. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Menschen befürchten sich hier dazu „intim“ äußern müssen. Und dann vielleicht auch noch was im eigenen Leben ändern sollen! Ich finde allerdings, man sollte schon, bevor man mit dem Tod konfrontiert wird, versuchen, eine Haltung dazu zu haben. In England gibt es zum Beispiel den Brauch, dass du dir einen Totenkopf auf den Tisch stellst, der dich daran erinnert, jetzt zu leben. Weil es irgendwann vorbei ist – und dann ist es zu spät. Das gilt auch für die Liebe. Es hilft ungemein, sich – am besten nach der ersten rosa Verliebtheitsphase – Gedanken darüber zu machen, was man unter Partnerschaft versteht und sich jeden Tags aufs neue fragt: ist dies der Mensch, mit dem ich zusammenleben möchte und was kann ich dazu beitragen, dass es „gut“ wird.

Mein persönliches Lieblingsthema ist die Natur, die Beziehung von Mensch und Tier im Verhältnis zur Natur. Aber wenn ich die Abende mit den schoolmastern vorbereite, dann interessieren mich auch ihre Themen.

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8. Viele Menschen, viele Eindrücke, viele Gedanken und Worte, was hat sich geändert in den 5 Jahren „Modern Life School“? 

pia  // Wir haben uns gebildet, das ist schön. Und wir tun es weiter, jeden Tag. Die Begegnung mit so vielen Menschen und klugen Geistern hat uns innerlich sehr bereichert. Finanziell können wir das noch nicht behaupten, obwohl man uns das von Anfang an vorgeworfen hat. Vielleicht sind wir da ein wenig zu optimistisch und blauäugig rangegangen, weil wir dachten, dass unser Konzept, die Philosophie, viel mehr Leute interessiert. Deutschland und speziell Hamburg ist da ein schwieriges Pflaster. Die Menschen sind Kultur-verwöhnt, viel gibt es umsonst und wir haben festgestellt, dass Menschen sich lieber unterhalten lassen. Sie gehen in Konzerte, Ausstellungen, zum Fußball, ins Kino oder Essen. Es ist schwer den Wert zu vermitteln, den das Nachdenken über sich selbst haben kann. Jetzt werde ich mal ketzerisch: Unser Bildungssystem ist nicht darauf ausgelegt, uns zu mündigen aufgeklärten Bürgern zu machen, sondern zu Menschen, die möglichst schnell und gut performen. Das ist was Anderes! 

gaby  // Die Leute haben leider eine Aversion vor dem Wort „School“. Und das Wort „Philosophy“ haben wir auch wieder von der Fensterscheibe gekratzt, weil es ihnen Angst macht. Es klingt nicht sexy, eher nach Anstrengung und Arbeit. Und sie haben Recht. Sie ist anstrengend und es ist Arbeit. Aber sie ist wichtig. Für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft. Viele Menschen da draußen sind von der Ratgeberkultur so geprägt, dass sie sich wünschen, eine Gebrauchsanweisung für das Leben in die Hand zu bekommen. Aber die gibt es nicht, die muss man selber schreiben.

Ich habe in London einen Kurs besucht – „How to find the job you love“ – und habe dabei entdeckt, wie spielerisch das sein kann, das für sich selbst herauszufinden. Viele Menschen kommen her, weil sie nicht mehr zufrieden sind und das, was sie tun, nicht mehr machen wollen. Wir versuchen dann eher, sie auf die Frage zu bringen, ob sie nicht besser ihre Einstellung ändern müssen als sie zu Veränderungen der äußeren Umstände zu bewegen. Man muss in der Liebe ja auch nicht immer den Partner wechseln, um glücklich zu werden. Du kannst ja auch deine Einstellung ändern.

pia // Du musst erst mal erkennen, dass es eine Frage der Entscheidung ist: Du triffst Entscheidungen! Du bist eigenverantwortlich für das was du denkst, tust, willst. Das will aber keiner hören. Wenn wir auch noch in die Kerbe hauen, dass die Leute sich selbst verwirklichen sollen, was heißt denn das? Noch mehr selbstgedruckte Siebdruck-Tragetaschen auf dem Design-Hausfrauen-Markt? Noch mehr Latte-Macchiato-Cafés, damit wir mehr davon haben? 

Vor 30 Jahren mussten die Menschen schlichtweg hart arbeiten, damit sie ihr Häuschen, ihr Essen, ihr Leben bezahlen konnten. Jetzt geht es eben um Selbstverwirklichung und die Menschen glauben, sie müssten immer den großen Kick spüren. Aber wie schön kann es sein, einen „Brot & Butter“-Job zu haben, der mir meinen Lebensunterhalt sichert. Es gibt 1000 Dinge, die Menschen Spaß machen, die dann gerne Feierabend haben. Warum müssen wir alle so wahnsinnige Überflieger sein? Warum wollen alle glücklich sein? Reicht es nicht, vielleicht zufrieden zu sein? Warum rennen alle rum und wollen sich selbst optimieren, mit Fitness-Trackern nach der Arbeit ins Fitnessstudio und auf dem Laufband rumrennen? Ich glaube nicht, dass ich die Welt verändern kann, aber ich kann Impulse setzen. Wo ich die Welt verbessern kann, ist an einem einzigen Punkt. Ich möchte, dass die Menschen wissen was sie tun. Dass sie sich ihrer selbst bewusst sind und eigenverantwortlich handeln.

 

9. Es ist auffällig, dass die meisten Veranstaltungen die etwas mit Selbstreflexion und Lebensphilosophie zu tun haben vermehrt von Frauen besucht werden — ist das hier auch so?

gaby // Jein. 

pia // Wir hatten mal eine Klasse zum Thema Freundschaft und dachten, es kommen nur Frauen, und es waren nur Männer da. 

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10. Aber wenn es um Dialog geht, um Diskurs, kommen doch sicher mehr Frauen?

pia // Frauen sind kommunikativer, weil sie dazu erzogen worden sind. Dieses „Lass uns darüber reden.“ Ganz schlimm. Ich war mal bei einem Frauennetzwerk und wurde am Ende rausgeworfen, weil ich Fragen stellte wie: „Wo kommen denn all die Männer her? Die haben doch Mütter. Wer erzieht denn diese Kinder? Wer sorgt denn dafür, dass Männer so kommunizieren wie sie kommunizieren?“ Einen großen Anteil daran haben die Frauen, die dieses Bild gestalten. Auch das gehört zum Thema Selbstverantwortung, sich seiner selbst bewusst sein. Und Frauen wollen oft reden, weil sie Verantwortung wegschieben und nicht übernehmen wollen. 

 

11. Was ist bei euch im Kühlschrank?

gaby // Meiner ist gefüllt, ihrer ist leer. Pia hat keine Grundnahrungsmittel, außer Nudeln und Reis. Pia interessiert Essen überhaupt nicht.

Bei mir ist er eigentlich voll. Ich habe Champagner, Weine, ein Fläschchen Bier, frisches Gemüse, aktuell habe ich Kohlrabi und Mairübchen, immer Salat, Butter, Käse, feinste Öle …

pia // Leinöl habe ich auch. 😉

gaby // Ich bin der totale Genussmensch. Für mich ist das Belohnung, Entspannung, Freude. Nicht Frust. Wenn ich für mich alleine esse, decke ich auch ein, mit Stoffservietten und einem guten Weinglas. 

pia // Und bei mir ist es so: Ich hole auf dem Weg nach Hause ein, zwei Zutaten und dann gibt es Wok-Pfanne und gut ist. Es muss nur frisch und bio sein.

gaby // Und sie macht auch die unmöglichsten Kreationen. Gebratener Salat…

pia //  Ich kann gut für viele Personen kochen, ich kann Massen gut berechnen und mal schnell eine riesen Suppe machen. Aber das ist hier, nicht zu Hause. Ich bin kein Genussmensch, kann aber gut genießen. Es hat für mich nicht die oberste Priorität.

 

12. „Lieber alleine oder lieber mit vielen“ ist eine Frage die wir im Quickreport jedem stellen — eure Arbeit ist mit „vielen“ —  gibt es da nicht auch manchmal die Sehnsucht des Alleinseins?

gaby // Ich bin in der glücklichen Lage und kann mir diese kleinen „Home-Office-Zeiten“ nehmen. Ich bleibe dann Zuhause in der Nordheide, arbeite an Konzepten, Texten, Ideen und kann meine Zeit frei einteilen. Ungestört in der Natur bin ich auch am konzentriertesten und effektivsten. Pia ist dann in der school, kümmert sich um die Vermietung, die Akquise, die Buchhaltung, den Laden… Ich bin sehr happy und dankbar dafür, dass ich diese Möglichkeit habe.

pia // Wir haben ganz getrennte Bereiche. Da reden wir uns gegenseitig nicht rein und haben ein gegenseitiges Veto-Recht. Wenn Gaby kreative Dinge tut, dann können wir darüber diskutieren und tauschen uns aus, aber wenn es um das Zünglein an der Waage geht, hat sie klar das Vorrecht. Genauso wie ich in meinen Bereichen, wie wir das mit den Menschen machen oder das Kaufmännische. Im Tagesgeschäft bin ich vor Ort, ich habe die Bühnenpräsenz, weil das meine Natur ist. Wir sagen gerne mal, wir sind Body und Brain, auch wenn ich dabei vielleicht schlechter wegkomme. Gaby ist Brain, ich bin Body, ich repräsentiere nach außen. Wenn ich eine Präsentation halte, dann diskutieren wir vorher darüber und sie bereitet dann alles vor. Ich bin ja so ein ADS-Kind. Wenn ich es einmal verstanden habe, gehe ich auf die Bühne, egal ob da null Leute sind oder Hunderte, das ist mir gleich, dann performe ich. So bin ich.

gaby // Ich würde sterben. Auch wenn die Leute alle hier reinkommen, das Begrüßen, dieses erste kalte Hallo, das ist überhaupt nicht meins.

pia // Ich bin Gastgeber und bin es gerne. Gaby und ich streiten uns königlich. Im Ernst, wir sind am gleichen Tag, Monat und Jahr geboren. Wir sind nur sieben Stunden auseinander. Beide Steinböcke und wir benutzen unsere Hörner…

 

13. Seelenverwandte sozusagen?

pia // Ohne, dass wir die Eso-Freaks sind. Ich habe mir aus Spaß mal mein Horoskop zeichnen lassen, nur die eine Hälfte ist bunt, dann habe ich ihres zeichnen lassen und das ist exakt gespiegelt. Das ist wie Yin-Yang, Engel und Teufel. Wir brauchen auch manchmal eine Pause voneinander. Sie nicht, aber ich. Ich gehe dann mit dem Hund spazieren. Früher wäre ich golfen gegangen aber da kommt sie jetzt mit und das Blöde ist, sie ist besser als ich. Ich bin nicht so hochkreativ, deshalb brauche ich Auszeiten. Ich rede hier wie ein Buch, weil ich gerne auf der Bühne stehe und eine Rampensau bin. Aber zu Hause rede ich kein Wort. Ich hasse das dann, ich brauche dann genau das Gegenteil. 

 

14. Das Reden ist also dein Job und wenn du zu Hause bist, hast du Feierabend.

pia // Ja und Gaby hat nie Feierabend, weil sie brennt. Ich brenne anders. Ich glaube, das ist das Los, das Schicksal, die Tragik eines hochkreativen Menschen.

gaby // Nenn’ das nicht hochkreativ, so empfinde ich mich gar nicht. 

pia // Und trotzdem kannst du deinen Verstand und dein Herz mit Sicherheit nicht abschalten. Ein Kreativer sieht immer irgendwas und hat was im Kopf. Wogegen ich mal wirklich Dumpfbacke spielen kann. Was ich auch muss, um meine Kraft zu holen. 

 

15. Was ist bis jetzt die beste Idee in eurem Leben?

gaby // Die beste Idee in meinem Leben ist Reisen. Das ist, wonach ich mich am meisten sehne, was mich am meisten inspiriert, wofür ich am dankbarsten bin und woran ich am häufigsten denke. Ich könnte jetzt sagen, die beste Entscheidung ist, mit Pia diese Schule zu machen. Aber das ist noch zu früh, das möchte ich vielleicht am Ende sagen, wenn wir uns etwas Neues einfallen lassen. 

pia // „Glaub nicht alles, was du denkst“ ist ein Leitsatz, den ich sehr schätze. Wenn ich geglaubt hätte, was man mir von klein auf erzählt hat, dann wäre ich heute Verkäuferin im Kaufhaus.

gaby // Dann wärst du Banker. 

pia // Da habe ich zum ersten Mal nein gesagt. Meinem persönlichen roten Faden zu folgen, mich und alles andere immer wieder neu zu hinterfragen, mein Leben immer wieder umzuwerfen, den Mut dazu zu haben. Sonst wären wir ja auch nicht zusammengekommen. 

 

16. Heute mal richtig faul sein – wie sieht das aus?

pia // Das ist erst mal nicht drin. Aber theoretisch bis 9 oder 10 Uhr schlafen, den Rechner auslassen. Wenn es zu viel ist, dauert es länger, bis ich meinen Kopf leer bekomme und die innerlichen To-do-Listen liegen lassen kann. Das funktioniert, wenn ich mit dem Hund in den Wald gehe. Und dann frühstücken und vielleicht golfen. 

gaby // Lange, lange schlafen. Lange, lange frühstücken. Unbedingt raus mit „Wilson“, meinem Hund, in die Natur. Ich schaue dann gern, was mich so findet, Füchse, Rehe, Bäume, Wurzeln, Pilze, Wolken und Kleeblätter. Ich habe einen Rahmen, da sind 27 vierblättrige Kleeblätter drin. Ich wollte die auch mal in Acryl gießen lassen und hier verkaufen. Glück kann man nämlich auch kaufen. 😉

 

17. Auf einer Skala von 1-10: Wie geht es euch heute?

pia // 7-8. 

gaby //  Ja. Jetzt auf jeden Fall. Wenn du mich gestern gefragt hättest, hätte ich gesagt: 6. 

beide // Aber da geht noch was. 😉

pia // Das stimmt, es gibt eine Menge Menschen, die würden niemals 10 sagen. Aber wenn ich die Chance habe auf 10 zu gehen, dann gehe ich auch auf 10. 

 

18. Also springst du auch vom Zehner?

pia // Als Kind habe ich das tatsächlich gemacht aber heute würde ich das nicht mehr tun. 

 

 … danke für euer Mitmachen – und dass ihr uns teilhaben lasst — tendaysaweek.


Quickreport //

gaby // pia

 1.süß oder salzig? süß // salzig

2. morgens oder abends? abends // abends

3. mehr ist mehr oder weniger ist mehr? genug ist genug // weniger ist mehr

4. lieber allein oder am liebsten mit vielen? allein // lieber allein

5. auto oder fahrrad? auto // zu fuß

6. sekt oder selters? champagner // wasser

7. berge oder meer? meer // meer

8. electro oder pop? pop // pop

9. bleistift oder kugelschreiber? auf jeden fall bleistift // bleistift

10. rom oder hongkong? … // …

 


 

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