Marjana von Berlepsch

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Sie kann von Glück sagen, fest verwurzelt zu sein. Zumindest macht es auf mich den Eindruck, dass sie dadurch so schnell nichts umhauen kann. Sie braucht für ihre Entscheidungen kein „Emotionales Back Up“, reist am liebsten alleine und auch sonst hat man den Eindruck, sie weiß, was sie kann und will. Man muss schon sagen, der Erfolg steht ihr gut, ist ihr aber zum Glück nicht zu Kopf gestiegen, denn auch damit geht sie eher pragmatisch um. Wenn’s gut läuft, dann kann man sich eben mit etwas Neuem beschäftigen. Ganz schön cool, Frau von Berlepsch, da können sich sogar einige Herren mal eine schöne Scheibe von abschneiden — tendaysaweek.


1. Besondere Menschen, besonderes Schaffen, besondere Orte; das ist, womit wir uns in unserem Blog auseinandersetzen. Was treibt dich an, morgens zur Arbeit zu gehen?

Kein Tag ist gefühlt wie der andere. Es ist eine Kombination aus Vielem: Verkaufen, Beraten, Entwickeln, Organisieren, dann kommt mal jemand vorbei, der Onlineshop — man weiß einfach morgens nicht, wie der Tag genau laufen wird. Das ist eine spannende Herausforderung. Dieser Ort bietet mir einfach die Ruhe, zusammen mit meinem Team etwas schaffen und entwickeln zu können. Ich bin auch niemand, der viel Trubel und Ablenkung braucht, eher umgekehrt. Ich nutze gerne meine Energie und arbeite konzentriert an einem Stück. Das ist natürlich nicht immer möglich, dass Tagesgeschäft geht meistens vor. Aber grundsätzlich ist es einfach ein unglaublich schönes Gefühl, in dieser „Ideenschmiede“ anzukommen.

2. Vogue und Harper’s Bazar – du hast als Moderedakteurin und Stylistin Jobs gehabt, von denen andere träumen. Was war der Grund, dem „Glanz und Gloria“ den Rücken zuzukehren?

Ich war noch ziemlich jung, als ich angefangen habe, in Redaktionen zu arbeiten. Ich hatte weder den nötigen Background noch irgendeine Ahnung, was das alles genau heißt. Ich kam im Grunde von „gar nichts“ ;-), Ich war 21, und durch mein Praktikum bei Peter Schmidt Design ist überhaupt erst die Idee entstanden, in eine Moderedaktion zu gehen.

Ich hab’ mich einfach als Modeassistentin beworben und bin genommen worden, erst bei Harper’s Bazar, später dann bei Vogue Deutschland und Spanien als Redakteurin. Es war ein Job, der mir zwar unglaublich Spaß machte, aber es war nicht „der große Traum“ der in Erfüllung ging — dem bin ich heute näher. Es war eine tolle Zeit, ich konnte viel lernen. Aber irgendwann reichte es dann einfach. Ich wollte in Hamburg leben und heiraten und deswegen habe ich angefangen, als freie Stylistin zu arbeiten. Auch das war aufregend, ich war viel unterwegs, war frei, mit festem Tagessatzmein erster Job war gleich in der Karibik mit Tom Jakobi. Nach zehn Jahren ergab sich das mit den Ketten dann. Ich fing an, in meinem Wohnzimmer 2 Meter lange Edelsteinketten zu fädeln und hängte Buddhas dran. Das klingt ein wenig wie Märchenstunde, aber irgendwann nahm das so Überhand, dass ich dafür meinen Job als Stylistin aufgab.

Es war einfach die richtige Zeit für so eine Idee. Die Modebranche steckte bis dahin in einer Art Purismus-Wahn und es gab nur wenig bis keine Accessoires.

Ich fing mit den ersten Kollektionen an, ging auf Messen, baute den Vertrieb auf und machte viel PR-Arbeit. Ich komme ja aus der redaktionellen Schiene und weiß, dass PR ein wichtiges Tool ist, um eine Marke zu kreieren. Vor 10 Jahren war Print das wichtigste Instrument dafür und da war ich nun mal zuhause. Heute würde das wahrscheinlich nicht mehr so funktionieren, oder zumindest nur ganz anders.

 

3. War es schwer, als Unternehmerin ernstgenommen zu werden?

Naja, am Anfang war es schon schwer, ich musste da auch hineinwachsen. Mich eingeschlossen, gab es eine regelrechte Welle von Frauen, die anfingen, Ketten oder Armbänder zu machen, aber von denen sind wenige übrig geblieben. Für mich war das eben kein Wohnzimmer-Business. Meine Leidenschaft war, eine Marke aufzubauen. Schmuck hat mich gar nicht so wirklich interessiert. Ich investiere viel in Design, Ideen und Marketing, zwei Kollektionen im Jahr, PR, die Webseite, es gibt ständige Erneuerung und das muss man auch machen, wenn man ernstgenommen werden und erfolgreich sein will.

Ich habe aber noch nie die Schwierigkeit gesehen, als Unternehmerin ernstgenommen zu werden. Sicher, was Frauen oft haben — das ging mir am Anfang auch so — ist, das Ganze nur nach Bauchgefühl zu entscheiden. Man muss aber genauso die Zahlen im Kopf haben, Männern fällt das oft leichter.

4. Dein Leben scheint vom Erfolg geprägt zu sein — Hast du keine Angst vorm Scheitern?

Nicht mehr — es gab sicher immer wieder auch solche Phasen, aber aktuell denke ich über so etwas überhaupt nicht mehr nach.

5. Hast du einen Plan B?

Nein — im Gegenteil. Ich habe gerade eher das Gefühl, es reißt nicht ab. Ich mach das jetzt 13 Jahre und ich sage mal seit 3 Jahren hat es sich einfach etabliert. Jetzt ist da was, was in den Köpfen bleibt. Ich bin noch viel zu neugierig darauf, zu sehen, was daraus wird.

6. Macht Erfolg sexy?

Manchmal schon 😉 Ich habe darüber auch noch nie so nachgedacht — was mich antreibt, ist einfach, dass es „meins“ ist… da steht mein Name drauf und das ist sexy.

7. Mehrmals im Jahr fliegst du nach Italien, Indien und die Türkei, um Materialien für deine Kreationen zu finden. Gerade Frauen in Indien und in der Türkei unterliegen männlicher Dominanz und religiösen Zwängen. Zudem wird die politische Situation immer angespannter. Wie gehst du damit um?

Ich bin da irgendwie reingewachsen und mir ist noch nie etwas Blödes passiert. Natürlich verhandele ich dort ausschließlich mit Männern, aber ich mach mir darüber auch keine Gedanken. Wenn mir etwas wichtig ist, mache ich es einfach.

Politisch ist da natürlich einiges, das beängstigend ist. Aber meine Produktionsstätten und die Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeite, sind nun mal dort. Ich kann mich nur vorbereiten, und wenn was passiert, wird eine Lösung gefunden.

8. Du machst deine Arbeitsreisen gerne allein, wirkst auch sonst fokussiert und selbstbewusst. Ist das reine Arbeitsstrategie oder etwas, das dich ausmacht?

Es fällt mir einfach nicht schwer, denn ich bin beruflich schon immer viel alleine gereist. Ich habe es schätzen und lieben gelernt und es gibt mir die Freiheit, so agieren zu können wie ich will. Ich bin auch kein Mensch, der ein „emotionales Back Up“ braucht. Mittlerweile habe ich ein gutes Gefühl dafür, was ich möchte und fühle mich nicht unsicher. Ich tauche gerne in andere Welten ein und lass mich dabei auf die Menschen, ihre Sprache, ihre Musik oder Rituale ein. Sobald jemand aus dem gewohnten Umfeld mitkommt, hat das eine ganz andere Dynamik. Ich möchte dann nicht über mein „daily business“ reden. Ich möchte offen dem gegenüber sein, was mir an einem anderen Ort begegnet. Mittlerweile habe ich ja auch dort Menschen, die ich mag und treffen kann, wenn mir danach ist. Ich bin also nicht wirklich alleine.

Es ist ja auch eine Kostenfrage, jedes Mal mit einem Trüppchen zu reisen, das könnte ich mir gar nicht leisten.

9. Bist du auch sonst eher eine Einzelgängerin?

Ich bin gerne in meiner Beziehung, aber auch da ist Selbstbestimmtheit wichtig – das sehen wir wohl beide so.

Ich bin nicht wirklich eine Einzelgängerin, aber ich weiß, dass ich alles gut alleine kann. Ich fühle mich nicht alleine oder einsam, das ist meiner Meinung nach das Entscheidende. Ich glaube, ich habe ein sehr gutes Urvertrauen durch meine Familie mitbekommen. Auch wenn meine Eltern heute nicht mehr leben, habe ich dennoch das gute Gefühl, feste Wurzeln zu haben.

10. Sich beruflich selbst zu verwirklichen ist für viele der Traum vom Glücklich sein — bist du durch deine Arbeit dem Glück ein Stück nähergekommen?

Ja, weil ich etwas tue, woran ich zu hundert Prozent glaube.

11. Was wäre eine echte Herausforderung für dich?

Ich kann das konkret noch gar nicht äußern, aber ich habe das Gefühl, dass da noch Herausforderungen warten. Es wird sich zeigen, wie so oft in meinem Leben.

12. Einer deiner besten Momente im Leben war…?

Als das mit dem Ketten-Boom so stark war, habe ich von den ersten Gewinnen meiner Mutter eine kleine Wohnung in München gekauft. Das ich mit meinen Ketten etwas geschafft habe, was sie unterstützen konnte, hat mich unglaublich stolz gemacht. Diese Wohnung gibt es noch immer, auch wenn meine Mutter nicht mehr lebt. Es ist mein geliebter Rückzugsort geworden, ich habe dort einen Platz voll mit guten Erinnerungen.

13. Was ist bei dir im Kühlschrank?

Immer eine Avocado, Zitrone und Fisch.

14. Auf einer Skala von 1-10: Wie geht es Dir heute?

8-9, meine Zahnschmerzen werden besser

Danke für dein Mitmachen – und das du uns teilhaben lässt.


Quickreport:

 

1.süß oder salzig? süß

2. morgens oder abends? abends

3. mehr ist mehr oder weniger ist mehr? weniger ist mehr.

4. lieber allein oder am liebsten mit vielen? lieber allein.

5. auto oder fahrrad? fahrrad

6. sekt oder selters? selters

7. berge oder meer? meer

8. electro oder pop? pop

9. bleistift oder kugelschreiber? bleistift

10. rom oder hongkong? rom
 


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