Sarah Runge

merijula // freedom wear

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1. „We love what we do“ ist die Überschrift unseres Blogs. Damit sprechen wir Menschen an, bei denen wir das von außen betrachtet so sehen. Erzähl uns, was dich motiviert hat, mit Kind und Kegel im Nacken dein Business zu gründen und dranzubleiben: Wahnsinn oder Überzeugung? Oh, ich muss gestehen, dass ich gerade letzte Woche noch das Gefühl hatte, alles hinschmeißen zu müssen. Auch, wenn sich unser kleines Unternehmen seit einem halben Jahr massiv nach oben bewegt, heißt das schlussendlich doch auch mehr Arbeit und noch weniger Zeit. Ich bin das Ganze sehr blauäugig angegangen und wollte eigentlich „nur“ die Welt verbessern. Was das heißt, ein Label führen, ein Unternehmen aufbauen, war mir nicht klar. Das alles zu lernen und zu machen hat mir zwar auch massiv Spaß gemacht, nur letzte Woche hatte ich eben auch mal einen Durchhänger. Durch das Kind verschiebt sich vieles im Leben und der Druck, allem gerecht zu werden, wird mit wachsendem Unternehmen immer größer. Zusätzlich kommt dann noch mein Hang zum Perfektionismus dazu, der mich häufig körperlich stark an meine Grenzen bringt. Oft lade ich mir einfach zu viel auf. Ich bin da sicher ein Wiederholungstäter, schließlich hat mich diese Einstellung schon mal zum Ausstieg gezwungen … Das waren meine Gedanken letzte Woche, doch ich habe mich dann wie so oft wieder gefangen. Ich taste mich allmählich daran, Aufgaben abzugeben und das Ganze mit Ruhe zu planen. Jetzt eröffnen wir auch noch diesen kleinen Laden in St. Pauli — Rock ’n’ Roll eben. Schließlich wollen wir ja auch etwas verändern. Wir glauben nun mal daran.   2. Was ist denn die Message? Der Name ist ja merijula - auch, wenn er schwierig zu merken ist. Aber jeder Buchstabe hat seine Bedeutung. m // magic, e // education, r // respect, i // independent, j // justice, u // uniqueness, l // love, a // art, das sind für mich die wichtigsten Bestandteile im Leben.   3. Warum gerade ein Modelabel gründen - gibt es nicht schon genügend davon? Die grundsätzliche Idee, ein solches Label überhaupt zu gründen, war, einen Teil des Gewinns in nachhaltige und faire Projekte zu investieren. Also nicht nur schöne Designs auf schöne Shirts zu drucken, sondern eben gemäß unserer Message ein faires Produkt zu kreieren, das mehr sein kann als nur Kleidung und Statussymbol. Unser Slogan ist „freedom wear“ - und was wir damit verbinden soll durch die Menschen, die unsere Produkte tragen, verbreitet werden. Ein Statement machen, mit dem Gedanken an eine bessere Welt. Oder sagen wir besser, es soll ein Anstoß sein, sich daran zu beteiligen, dass diese Welt ein Stück besser wird. „Nature ist my religion, and the earth is my church“ - Aus diesem Grund bedrucken wir auch nur nachhaltig und fair produzierte Textilien. Wir, mein Freund und ich, haben im Moment das Glück, unser Leben als Darsteller oder Filmemacher finanzieren zu können. Ohne dieses finanzielle Backup könnten wir uns dieses Herzensprojekt gar nicht leisten — noch nicht leisten.   4. Braucht das denn ein solches „Sichtbarkeits-Tool“ wie einen Laden? Ist der Online-Vertrieb nicht viel sinnvoller, um mehr Menschen anzusprechen und zu begeistern? Wir schauen mal, was sich daraus entwickelt, es kann alles oder nichts sein. Ein Büro, ein Pop-Up-Store…  Wir waren ja auch durch die Kündigung des Mietvertrages für die alten Produktionsräume gezwungen, uns räumlich zu verändern. Zudem haben wir nicht nur unsere Kollektion, die wir vertreiben, sondern auch eine Secondhand-Börse für Surfboards die Bücher von „Salt und Silver“, ein Kosmetik Label, „Neos“ - eigentlich Projekte von Jungs, mit denen wir befreundet sind und die genauso denken wie wir.   5. Wie kommt man denn auf eine Secondhand-Börse für Surfboards? Mein Freund kommt aus dem Extrem-Sportbereich, ich wäre ohne ihn sicher nicht auf den Trichter gekommen. Ich bin da doch eher„ein Schisser“, gerade, was Wassersport angeht, und überhaupt kein „Adrenalin Junkie“.     6. Scheitern oder Liebe, was war dein Motor, um mit merijula überhaupt anzufangen? Wohl beides. Ich habe merijula tatsächlich zusammen mit meinen Freund 2013 entwickelt und gegründet. Bis zu meinem Burnout hatte ich als Grafik-Designerin gearbeitet. Für mich war klar, ich kann den alten Job nicht mehr weitermachen. Diese ganze abgefuckte Werbewelt, in der es letztendlich nur um Nichtigkeiten geht ist so kurzlebig und undankbar. Wenn man ein Geist ist, der immer 200% gibt und sein ganzes Herzblut in ein Projekt steckt, kann das schnell an die Substanz gehen. In der Zeit der Neuorientierung habe ich meinen Freund kennengelernt und eins kam zum anderen. Da saßen wir dann an einem Abend gemeinsam mit einer Buddel Rotwein auf dem Sofa und hatten die gleichen Gedanken: „Lass uns ein Label ins Leben rufen, das dazu beitragen kann, die Welt ein wenig besser zu machen.“ Sehr naiv, wenn man es aus unternehmerischer Sicht betrachtet, jedoch hat uns unser freakiger Aktionismus ziemlich gekitzelt. Mit mir hätte man in dieser Zeit auch alles anstellen können. Hauptsache war, es ist etwas anderes als bisher. Ich war nach dem Burnout gerade aus der Klinik raus und hätte wohl zu allem „ja“ gesagt. Kurze Zeit später haben wir das Pferd aufgezäumt, ganz Agentur-Like.. Corporate Identity, Zielgruppen-Analyse, Look und Image, Botschaft, Marke anmelden —Ab geht’s. Der Anwalt und die Notarkosten haben erst einmal die Hälfte des Kapitals geschluckt. Hinzu kamen Fehlinvestitionen wie ein Firmenbulli, oder diverse Maschinen  — das meiste davon konnten wir zu Beginn weder bedienen, noch effizient nutzen. Wir hatten einfach überhaupt keine Ahnung. Wir hatten am Anfang zu viele andere Jobs und merijula lief nebenher. Uns fehlte es am richtigen Konzept; typisch Quereinsteiger-Business, eben. Einfach nur: „Lass mal machen - super!“ Deswegen hat es auch länger gedauert, bis daraus etwas entstanden ist. Nach diesen Anlaufschwierigkeiten haben wir uns dann mit ein paar Leuten zusammengesetzt und sind langsam reingekommen. Gemeinsame Räume wurden bezogen; ich habe mir das Siebdrucken angeeignet; einen Web-Shop programmieren lassen, viel Geld ausgegeben… und schlussendlich begriffen: Das ist alles viel mehr Arbeit als wir gedacht haben. Julian hat sich mit der Zeit wieder mehr dem Filmdreh zugewandt und ich bin dabeigeblieben. Am Anfang ohne das Kind, 12-14 Stunden täglich. Zwischendrin dann diverse Castings und Model Jobs, damit Kohle reinkommt. Und dann einfach durchgerockt, bis heute. Seit Sommer letzten Jahres sind wir im „Avocado Store“ vertreten. Das ist einer der größten Online-Marktplätze für faire Mode und Produkte. Seitdem ging es um 300% nach oben.   7. Du bist sehr umtriebig. Grafik Design, Modeln, Singer/Songwriter, Illustrationen für Kochbücher ... War da nicht auch was mit Film? Mutter, merijula. Lebst du nach dem Prinzip „mehr ist mehr“? Ich hatte irgendwie schon immer einen Plan, etwas vor. Schon während des Studiums habe ich viel nebenher gearbeitet. In der Woche im Coffee Shop, am Wochenende Events und Promo-Touren in ganz Deutschland für diverse Spirituosen-Marken. Nach dem Studium dann als Freelancer in Agenturen. Zeitgleich habe ich in einer Band gesungen. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles geschafft habe: Nach dem Job proben, dann tatsächlich noch Auftritte. Ich war häufig krank, hatte Kehlkopfentzündungen vor Auftritten. Mein Körper hat sich immer wieder verweigert und ich habe es ignoriert. Irgendwann war es dann zu viel und ich habe es schlussendlich mit einem Burnout bitter bezahlt. Ein Stück weit gehört das aber auch zu mir: Es ist auch heute noch schwer für mich, nichts zu tun. Mein Freund ist ähnlich, er kann gefühlt alles, ein Tausendsassa, wie man sagt. Wir können uns gegenseitig begeistern, dabei aber auch total verzetteln. Wenn wir es schaffen, uns ein wenig mehr Struktur zu geben und Hilfe zu holen, dann kann alles mit mehr Ruhe wachsen. Es soll uns eben nicht kaputt machen. Wir wollen etwas verändern, aber nicht um jeden Preis. Ich denke, unsere Tochter ist auf ihre Art diejenige, die uns ermahnt, runterzufahren. Lateinamerikanischer Tanz und Musik sind in jedem Fall eine Leidenschaft von mir und ich hoffe ich habe irgendwann wieder mehr Zeit dafür.   8. Nenn mir bitte spontan drei bis fünf Begriffe die dir zu merijula einfallen. Guerilla, Liebe, Freiheit, freedom-wear, Respekt vor Umwelt & Natur, Nachhaltigkeit, nachdenken…,   9. Was ist bei dir im Kühlschrank?? Ich bin ein absoluter Kaffee-Junkie, daher ist immer Milch im Kühlschrank. Marmelade - morgens kann ich nur süß essen. Etwas Käse - wahrscheinlich ist der schon schlecht, weil wir so selten zuhause sind.   10. Was ist die beste Idee bis jetzt in deinem Leben? Ich habe ein Problem damit, Sachen anzuerkennen, die ich gut gemacht habe. Es gibt immer noch etwas, das darauf wartet, in Angriff genommen zu werden. Normalerweise würde man erwarten dass die Beste Idee der Nachwuchs sei. Die Kleine ist zwar das Beste in meinem Leben, aber nicht die Idee. Selbstverwirklichung treibt mich an. Ich bin noch auf meinem Weg. Auf der Suche. Ich will mir zum Beispiel schon seit Jahren einen Bulli kaufen, einen Hippie-Bus à la Uschi Obermeyer, den selbst ausbauen und bemalen. In meinem Lieblingsbuch „Der Alchemist“ von Coelho heißt es: „Ich bin nie nach Mekka gegangen, weil der Traum daran mich am Leben hält.“ Das ist bei mir vielleicht auch so.   11. Auf einer Skala von 1-10: wie geht es dir heute? 5   12. Welcher Persönlichkeit würdest du gerne mal die Hand schütteln? Buddha   …Danke für dein Mitmachen- und dass du uns teilhaben lässt.


Quickreport//

1.süß oder salzig? süß

2. morgens oder abends? abends

3. mehr ist mehr oder weniger ist mehr? weniger ist mehr.

4. lieber allein oder am liebsten mit vielen? jetzt lieber mit vielen.

5. auto oder fahrrad? auto

6. sekt oder selters? sekt

7. berge oder meer? meer

8. electro oder pop? pop

9. bleistift oder kugelschreiber? bleistift

10. rom oder hongkong? rom


found // by cris

Sarah // Schön ist sie, ihr Lachen ist ansteckend, doch man muss sich schon beeilen, wenn man daran teilhaben will. Sarah ist im wahrsten Sinne des Wortes ein echter Wirbelwind. Nach dem Motto  "Irgendwas ist immer" springt sie von einem Projekt zum anderen, an ihrer Seite zwei Hunde,um sie herum ein Pool von Freunden, die alle irgendwie mitmachen. Der eine packt, der andre druckt, schraubt, fährt, wartet, während Sarah in all dem Trubel auch noch immer ihre kleine Tochter im Schlepptau hat. Da fehlen eigentlich nur noch Rollerskates an den langen Beinen, um das Bild des „Funny Cruising Hippie Girl" zu vervollkommnen, damit sie noch schneller von a nach b kommen kann. ;-)

Dass das sicher nicht alles so easy ist, wie es scheint, ist klar: Wer so schnell ist, muss aufpassen auch mal ne Pause zu machen. Damit der „Hustle" nicht zum Wahnsinn wird. Sarah hat es erlebt, wenn der Körper nicht mehr will — Burnout, nix ging mehr. Aber sie hat einen Neuanfang gewagt, durchgezogen und aus einer Vision eine Passion gemacht.

Es wäre gelogen, zu sagen, heute macht sie alles besser: Weniger Tempo, weniger „Hustle". Dennoch scheint es, als macht sie es heute mit mehr Freude und Leidenschaft und, ja, auch mal mit ner kleinen Pause — für zwei, drei Bissen von der Pizza, die der Bringdienst vor 'ner halben Stunde in den kleinen Laden in der Wohlwillstrasse geliefert hat. 

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