Claudia Fischer-Appelt & Lars Kreyenhagen

Der Zirkel, der macht & Karl Anders / Studio für Brand Profiling

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… sie ist Salon, ist Ausstellung, ist Lesung – Schnittchen oder Bingo. Und das alles in einem ausgedienten Gemeindehaus aus den sechziger Jahren. „Heilige Hallen“, wie sie ihren Schaffensplatz liebevoll betiteln. Heilig nicht nur aufgrund seiner Tradition, sondern schlicht, weil sie an das glauben, was sie tun

 

Dass das bei aller Liebe auch Arbeit ist, weil Erfolg nunmal niemandem einfach in den Schoß fällt, würden beide wohl unterschreiben. Was soll man sagen, das ist das Kreuz mit der Leidenschaft: Sie können nicht anders. Die Beiden lassen sich, bei allen Fesseln des Alltags, den Spaß nicht verderben — vielleicht haben sie sich deswegen auf diese wundervoll ironische Adaption der Erfolgsserie „Hart aber Herzlich“ eingelassen.

Eine Ironie des Schicksals, die Spaß macht — „Hart aber herzlich“ tendaysaweek


1. Besondere Menschen, besonderes Schaffen, besondere Orte; das ist, womit wir uns in unserem Blog auseinandersetzen. Was treibt euch an, hier morgens in die „heiligen Hallen“ zu treten?

claudia // Für mich ist das Gemeindehaus einfach ein extrem guter Ort. Ich komme wirklich jeden – okay fast jeden – Tag sehr gerne her.

lars // Wir können hier verwirklichen, was wir uns vorgenommen haben. Bei einem gelegentlichen Innehalten wird uns immer wieder klar, was für einen besonderen Ort wir geschaffen haben. Die Konstellation der Menschen mit denen wir arbeiten, wie wir arbeiten, alles ist genau so von uns gewollt. Was für eine Freiheit.

Früher hatten wir „einfach nur“ Arbeitsstätten, aber dieser Ort bietet uns die Möglichkeit über das Agenturbusiness hinaus kreativ sein zu können.

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2. Karl Anders eure Agentur, Creative Coworking, Kooperationsprojekte, kreativer Spielplatz „Der Zirkel, der macht“, zwei Köpfe ein/mehrere Unternehmen, es scheint ihr liebt und lebt „Teamwork“?

lars // Das was wir hier machen ist halt viel mehr als eine klassische Agentur. Galerie, Bar, Kino, Coworking. Wir lieben kreative Begegnungen aus denen besondere Momente entstehen. So etwas kann man nur realisieren, wenn man für sich selbst verantwortlich ist. Im normalen Agenturleben würde man von seinem Arbeitgeber weder Zeit, noch Geld, noch Anerkennung dafür bekommen. Das ist aber das, was uns antreibt und motiviert. So wollen wir gerne arbeiten und da gehört alles mit dazu. Wir teilen hier eine gemeinsame Vision. Was uns ausmacht ist, dass wir uns gerne auf den gleichen Wellen treiben lassen.

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3. Zusammen leben und arbeiten, bei den meisten ein Tabuthema — hattet ihr Bedenken?

claudia/lars // Wir hatten eigentlich keine andere Wahl.

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4. Dreamteam // Ein gutes Team braucht Respekt und Wertschätzung:

claudia // Was schätzt du an Lars?

Uff— alles?

lars // Was schätzt du an Claudia?

Ihren Humor. Ihre Ideen und Kreativität und ihre unfassbare Energie. Diese oft ganz eigene Sicht auf die Dinge finde ich wahnsinnig inspirierend.

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5. Weil Teamwork ja so schön ist, kommen bei euch dann gleich noch 4 Kinder dazu. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

lars // Mit viel Humor, Toleranz und einer ungefähr gleichen Vorstellung, wie das Leben für uns funktionieren kann.

claudia // Familie im klassischen Sinne ist ja schon ziemlich anstrengend und schwierig. Jeden „abzuholen“ und dabei Einigkeit herzustellen und zu leben ist wirklich eine Aufgabe. Patchwork hat zudem noch eine ganz andere Energie, weil der Kreis noch größer wird.

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6. Einer ist immer der Platzhirsch — wie schaffen es zwei kreative Alpha-Tiere wie ihr, sich nicht ins Gehege zu kommen?

lars // Das ist ganz einfach: Meistens bin ich derjenige, der die Ideen hat und da ziehe ich Claudia eben mit. Scherz! 😉

Nee, aber diese Außeneinschätzung ist schon spannend. In Wirklichkeit sehe ich uns gar nicht als solche Alpha-Tierchen. Und die besten Ideen haben wir gerade dann, wenn wir uns ins Gehege kommen.

claudia // Man kann schon mal sagen, dass du mehr „Rampensau-Gen“ hast, als ich. 😉 und ich habe überhaupt kein Stress damit, wenn du mehr auf der Bühne stehst. Würde ich das wollen, wäre es sicher kein Problem. Wir diskutieren viel. Unterschiedliche Sichtweisen bedeuten Auseinandersetzung, Reibung und manchmal auch Stress, aber das gehört gerade im kreativen Prozess dazu.

lars // Ich schiebe aber gerne auch mal Claudia nach vorne, weil es ja auch viel einfacher ist. Meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig Frauen in unserer Branche, die im Rampenlicht stehen. Sie ist halt auch die viel interessantere Persönlichkeit 😉

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7. In unserer Generation wollte man als Kind Astronaut, Krankenschwester, Müllmann aber bestimmt nicht „Werber“ werden. Was waren eure Träume?

claudia // Ich bin auch echt froh das ich kein Werber geworden bin! Ich wollte eine Zeit lang Balletttänzerin werden, aber der Hahn wurde mir ziemlich schnell abgedreht. Eigentlich wollte ich Kunst studieren, aber das war in meiner Familie noch abwegiger als Design. Das war aus Sicht meiner Eltern etwas, womit man eher Geld verdienen kann. Selbstverwirklichung galt damals auch als „unanständig“.

lars // Bei mir gab es schon früh einen Bezug zur Werbung. Mein Vater hatte eine Werbeagentur und war Herausgeber von ein paar Wochen- und Monatsmagazinen. Ich bin schon als kleiner Stöpsel mit dem Rad durch die Stadt und habe die Rechnungen und Belegexemplare bei den Einzelhändlern verteilt. Gefühlt war ich natürlich mit 11 schon der Junior Chef — ich mochte das irgendwie. Durch den (viel zu frühen) Tod meines Vaters kam der Entschluss, da raus zu gehen und somit haben sich mir sicherlich ganz anderen Türen geöffnet. Im Grunde ein Befreiungsschlag mit freiwilliger Rückkehr in diese Branche.

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8. Werbebranche — auf eurer Webseite ist ein Bild aus „mad men“ — eine Serie über die „Glanz-und-Gloria“-Zeit der Werbung — „Geld spielt keine Rolle“, Dekadenz, Oberflächlichkeit, viele Arbeit und Ausbeutung … Irgendwie keine schönen Berufsaussichten?

lars // Wir wollten einfach, dass jemand auf der Startseite raucht. Das es dann noch Don Draper ist, was soll ich sagen.

claudia // (Lachanfall) Das ist doch pure Selbstironie. Das Klischee ist so überzogen „old-school-Sechziger“ und es besteht nur eine gewisse Analogie zu diesem Gebäude.

lars // Ich will mit diesem „Agenturausbeuter Ding“ gar nicht in Verbindung gebracht werden. Ich bin so ein großer Fan von Agenturarbeit und ich will mal eine Lanze für das Arbeiten in Agenturen brechen.

Es ist gerade für junge Leute großartig, wenn sie sich ihren Arsch abarbeiten und in relativ kurzer Zeit ziemlich weit kommen und erfolgreich sind. Du wirst am laufenden Band schlauer, weil du ständig an neuen Themen arbeiten kannst. Kein Vergleich zur Arbeit in irgendwelchen Konzernen. Oder Banken. Es liegt einfach immer daran, was jemand daraus macht.

claudia // Wir halten auch nichts davon, jede Nacht durchzuknüppeln. Es gibt keinen harten Kurs, sondern es muss bei uns oder mit uns eigenverantwortlich gearbeitet werden. Das können nicht alle, mir fallen da einige ein, die in festen Strukturen, mit weniger Freiraum und Selbstbestimmtheit besser funktionieren.

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9. Menschen und ihre Bedürfnisse, damit beschäftigt ihr euch und die ändern sich ständig. Ökonomen reden gerade von der „Culture of Narcissism“ — Youtube, Instagram, Facebook, Snapchat, jeder wird zur eigenen Marke und das aus dem eigenen Wohnzimmer heraus.

…das heißt, die Ära der Werbung ist vorbei?

claudia // Ich denke es ist ein Generations-Cut. Die jüngere Generation kann sich heute schwerer abgrenzen. Eltern und Kinder sehen irgendwie gleich aus, man hört die gleiche Musik, macht den gleichen Sport, die Älteren bleiben viel länger in diesem „Jugendding“ drin.

lars // Ach, Quatsch, vorbei ist gar nichts. Die Rahmenbedingungen ändern sich nur ein wenig. Es ist gerade eine extrem spannende Zeit und man kann so viel in so kurzer Zeit lernen. Aber Werbung wird es immer geben. Die ersten großen Unternehmen fangen ja grad schon wieder an, ihre Online-Marketing-Budgets zu kürzen. Nachdem es die letzten Jahre eigentlich nur in eine Richtung ging.

Ich hoffe, alle machen jetzt mehr Kino. Ich liebe gute Kinowerbung!

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10. Veränderungen, der Wandel der Zeit: seid ihr denn hier im „Gemeindehaus“ angekommen oder nur auf der Durchreise??

lars // Es gibt kein Endziel, dafür ist der Ozean auch zu groß und es gibt zu viele Wellen, auf denen man reiten kann. Der Weg ist das Ziel — das ist meiner Meinung nach das Spannende. Mal links-, mal rechtsrum, mal im Kreis, vielleicht auch manchmal zurück, ich finde „anzukommen“ auch total langweilig. Ein Ankommen in der Persönlichkeit, in einer Identität, das ist ein spannender Vorgang und eine Gunst des Älterwerdens. In allem anderen möchte ich aber bitte weitermachen. Ankommen wäre Stillstand und da hätte ich eher Schiss, abzustumpfen.

Da sind wir uns einig. Wir haben überhaupt keine Vorstellung von „Ruhestand“. Rente gibt’s sowieso nicht, wir haben auch nie in so etwas eingezahlt.

claudia // Es gibt ja sogar Studien, dass es gar nicht förderlich für das persönliche Wohlergehen ist, in den Ruhestand zu gehen. Man hat Menschen 50 plus befragt und dabei festgestellt, dass es unzufrieden macht, ja sogar gesundheitlich schaden kann, wenn man vom „Viel“ ins „Nichts“ geht.

lars // Es gibt einfach auch so vieles, was man noch machen kann — ein Hotel…oder…keine Ahnung?

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11. Habt ihr bei allem treiben lassen oder einlassen auf etwas Neues  keine Angst vorm Scheitern?

lars // Joa, das erleben wir ja auch, aber das mit dem Scheitern sind wichtige und schlussendlich auch gute Erfahrungen. Wenn man aus seinen Fehlern etwas mitnehmen kann, ist das ja durchaus bereichernd. Wir haben sicher auch Angst vorm Scheitern, aber das hindert uns nicht daran Dinge zu tun.

claudia // In dem Moment des „Scheiterns“, ob in einer Ehe, im Job oder womit auch immer, sagt man das natürlich nicht so leichtfertig. Im Nachhinein weiß und erlebt man dann, dass es auch sein Gutes hat. Ich habe damit viel zu tun gehabt und gelernt, dass es dazugehört und wichtig ist.

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12. Auf welche Erfahrungen hätte man dennoch gerne verzichten können?

lars // Naja, wenn eine Ehe scheitert, das kann man schon als „scheiße“ bezeichnen, gerade, wenn Kinder im Spiel sind. Natürlich weiß man, dass Eheleben nicht einfach ist, aber man glaubte fest daran, dass man alles hinbekommt. Das empfinde ich als größte Niederlage.

claudia // Ich denke auch, das war bei mir eine krasse Erfahrung. Darüber hinaus haben mich natürlich auch immer mal wieder Ängste wie Existenzangst auf Trab gehalten. Aber irgendwie geht es ja dann doch weiter.

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13. Was ist bei euch im Kühlschrank?

lars // Oft nichts — manchmal alles. Wenn die Versorgung der Kinder nicht auf dem Plan steht, ist außer Milch wohl nichts im Kühlschrank. Wenn „volle Hütte“ ist, dann ist da alles drin, was man sich vorstellen kann.

claudia // Wir sind auch keine echten „Foodies“ und das meiste im Kühlschrank ist eher praktisch. Convenience — wir kochen, aber sicher nicht leidenschaftlich. Dafür essen wir leidenschaftlich.

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14. Was hat euch in der letzten Woche schwer beeindruckt?

claudia // Ich war in Berlin beim Gallery Weekend. Da habe ich so viel Kunst gesehen, Talks gehört, dass inspiriert mich enorm. Dieses Ding mit dem über den Tellerrand Schauen — davon kann ich nicht genug bekommen. Und Berlin ist natürlich auch immer toll.

lars // Ich hatte ein ganz tolles Tennisspiel. Ich spiele seit 30 Jahren Tennis und auch, wenn das mittlerweile immer anstrengender wird und auch körperlich schmerzt, gibt mir das total viel Energie. Dieses gemeinsame Gewinnen oder auch Verlieren, geteiltes Leid & geteilte Freude, diese Mischung aus Mannschaftsspiel und Einzelkampf, zum Teil hochgradig psychologisch, finde ich ziemlich spannend. Beeindruckend ist das zwar jetzt nicht gerade gewesen, aber es hat mir viel Freude bereitet.

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4. Auf einer Skala von 1-10: Wie geht es Euch heute?

claudia // Ich bin bei 8

lars // 9

 


Quickreport //

claudia / lars

1.süß oder salzig? süß / salzig

2. morgens oder abends? abends /doppel abends

3. mehr ist mehr oder weniger ist mehr? weniger ist mehr / mehr ist mehr

4. lieber allein oder am liebsten mit vielen? beides / lieber mit vielen

5. auto oder fahrrad? leider auto / leider auch

6. sekt oder selters? sekt / sekt

7. berge oder meer? meer / Meer

8. electro oder pop? electro / electro

9. bleistift oder kugelschreiber? kugelschreiber / kugelschreiber

10. rom oder hongkong? hongkong / ja hongkong

 

Danke für Euer Mitmachen – und das Ihr uns teilhaben lasst.


special thx // to melanie schehl   for supporting me 😉

and Leila Ivarsson for the post production

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