Meike Marie Buchholz

Frohstoff. Siebdruck & Textilmanufaktur

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1. We love what we do“ ist die Überschrift unseres Blogs. Wir sprechen Menschen an, auf die das, von außen betrachtet, zutrifft. Erzähl uns, was den Reiz und die Liebe ausmacht, die dich jeden Morgen zur Arbeit tragen?

Eigentlich jeden Tag wieder neu gestalten zu können. Dinge entwickeln. Designen.

frohstoff// tendaysaweek2. Siebdrucken ist ja eher eine altmodische Drucktechnik. Wie bist du darauf gekommen, das zum Beruf zu machen?

Ich bin gelernte Textildesignerin — nachdem ich mein Diplom gemacht hatte (2001), stellte sich natürlich die Frage, was mache ich jetzt damit. Mir wurde schnell klar, dass für mich nur die Selbständigkeit in Frage kommt.
In Deutschland hätte ich nirgendwo arbeiten können oder wollen. Es gibt wenig Textilindustrie hier, in Süddeutschland noch ein paar Betriebe. Aber das ganze Arbeitsfeld entsprach nicht dem, was ich wollte. Das war für mich nicht spannend genug, als das ich meine Koffer packen wollte, um aus Hamburg weg zu ziehen.
Die Arbeit als Designer ist in solchen Betrieben meist eingeschränkt. Designs werden einfach eingekauft, oder man macht nur ‘coloureds‘, d.h. es gibt zum Beispiel ein Blumendesign; die einzige künstlerische Freiheit ist dann, zu entscheiden ob man sie in Blau, Rot oder Grün gestaltet. Das ist mir zu wenig Ausdrucksmöglichkeit, zu wenig Gestaltungsfreiraum.

Innerhalb des Studium hatte ich zwei Schwerpunkte. Zum Einen die Weberei. Ich habe sogar noch richtig am Webstuhl weben gelernt. Aber für mich entdeckt und lieben gelernt habe ich dort den Siebdruck. Es ist einfach ein Handwerk, bei dem man die Möglichkeit zur Vervielfältigung hat und trotzdem künstlerisch arbeiten kann.

Ich bin anfangs recht locker in meine Selbständigkeit gegangen. Ich habe mich in eine Gemeinschafts-Siebdruckwerkstatt eingemietet und viel frei ausprobiert.
Damals gab es auch nicht viele Siebdrucker, es war eine kleine Marktlücke, und ich habe es als gute Möglichkeit gesehen, damit Geld zu verdienen.

frohstoff// tendaysaweek3. Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ausschlaggebend war wohl ein Besuch am Hafen in einem Souvenir-Laden. Der Besitzer hat ein Gespräch zwischen einer Freundin und mir gehört und fand interessant, dass ich Siebdruck mache. Er wollte von mir wissen, ob ich auch T-Shirts bedrucke. Am nächsten Tag ist dann ein Wagen vorgefahren und hat Ware geliefert. Das war quasi mein erster Kunde und es ging los.

 

4. Mit den Händen Künstlerisches zu schaffen, ist eine Sache, damit Geld zu verdienen eine andere – ‘ist das Kunst oder kann das weg?’ Wie weit liegen Kunst und Kommerz für dich auseinander?

Mir ist wichtig, dass, was ich mache, den Kunden gefällt. Ich habe kein Problem damit, Auftragsarbeiten zu drucken. Das ist dann auch nicht die Frage meines Geschmackes. Das kann dann auch mal das Schmuse-Haustier auf einem Kissenbezug sein. Wenn der Kunde hinterher glücklich ist, habe ich nicht den Drang, mich selbst zu verwirklichen. Seine Begeisterung ist ein schöner Moment für mich. Das ist eben auch eine Dienstleitung, die man erbringt. Frei künstlerisch Arbeiten mache ich natürlich lieber, aber können sollte man schon beides.

 

5. Du hast einen ganz eigenen Stil entwickelt und bist dir da auch ziemlich treu geblieben. Was steckt dahinter?

Es sind bewusst Motive aus heimischer Natur, Tiere und Pflanzen. Ich brauche keine Exotik, keinen Elefanten oder Flamingo. Die Natur hier bietet genug Spannendes.
Unser Stil und die Motive kommen gut an. Da kommen zum Beispiel der deutsche Bieberclub, oder die deutsche Waldstiftung, die unsere Kollektionen in ihren Museumsshops anbieten, genauso wie stylische Designläden, die Produkte „Made in Hamburg“ verkaufen, oder, oder, oder …
Zudem ist Tierschutz ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und schon früh einen wichtigen Teil meines Lebens ausmachte.
Ich habe schon als Kind viel Zeit im Tierheim verbracht und mich um Hunde und Katzen gekümmert. Ich freue mich bis heute, bei mir Tiere zu beherbergen, wie auch meine zwei Hunde, die aus einem Tierschutzprojekt, das ich unterstütze, den Weg zu uns gefunden haben.

Anfragen und Aufträge zum Thema Tier- und Artenschutz unterstütze ich besonders gerne. Da kann ich meine Herzensangelegenheit in meine Arbeit einfließen lassen.

 

6. Ihr fertigt weiterhin nur in Handarbeit. Kam euch nicht auch schon mal der Gedanke: „Think big“ und ab nach China?

Nein! China ist für mich indiskutabel. Wir haben zwar auch größere Aufträge, aber dann brauchen wir einfach ein paar mehr helfende Hände zur Unterstützung. ‘Made in Germany’ ist der Gedanke. Unser Konzept ist die Handmanufaktur aus Liebe zum Handwerk. Das braucht alles zwar mehr Zeit – vom Sieb zum fertigen Druck gibt es viele Einzelschritte – aber bis jetzt haben wir noch nie daran gedacht, das zu ändern.

 

7. Beziehung und Business zu kombinieren, kann auch anstrengend sein. Wie ist da euer Weg? Klare Aufgabenteilung oder gemischtes miteinander?

Wir sind klein, da muss schon jeder alles machen. Wir haben mittlerweile zwei Betriebsstätten. Meistens verteilen wir uns. Jörg ist aber derjenige, der sich primär um Kommunikations- und PR-Aufgaben kümmert und auf Messen unterwegs ist.frohstoff// tendaysaweek

8. Was tust du dafür, dir deine Euphorie bei der Arbeit zu erhalten? Was ist dir dabei wichtig?

Das Administrative kostet schon viel Zeit. Aber wenn ich mal wieder einen Workshop gebe, merke ich immer wieder, wie viel Spass mir diese Arbeit macht. Selbst diese Farbe in der Hand zu haben, ist einfach der Reiz, der es ausmacht.

 

9. Ihr habt einen wunderschönen Laden gefunden. Solche Perlen findet man selten. Wie seid ihr dazu gekommen und welche Geschichte steckt hier noch im Gemäuer?

Der Laden hat uns gefunden, wir wollten uns eigentlich gar nicht räumlich verändern. Durch eine Freundin sind wir darauf aufmerksam geworden: Ein alteingesessener Delikatessen-Laden, seit 1932 mehr oder weniger in einer Hand. So speziell und besonders, dass er sich quasi in unser Herz geschlichen hat. Deswegen wäre es auch eine Schande gewesen, das Historische nicht zu erhalten. Wir haben all das erhalten, was sich erhalten ließ. Das passt sicher nicht zu jedem. Für uns passte das perfekt.

 

10. Was war die beste Idee in deinem Leben?

Oh, das kann ich jetzt nicht sagen. Habe ich noch nicht darüber nachgedacht…

 

11. Heute mal richtig faul sein – was fällt dir spontan dazu ein??

Ach, inzwischen ist das purer Luxus. Einfach mal nur auf dem Sofa liegen und — Nichts. Keine Organisation; keine Planung; einfach in den Tag hinein leben — habe ich selten. Alleine mit mir!
Eigentlich ist mir alleine sein total wichtig, deswegen genieße ich auch die Zeit mit den Hunden. In der Natur unterwegs sein zu können, um aufzutanken.

 

12. Nenne mir bitte spontan 3 – 5 Begriffe, die dich mit Frohstoff verbinden?

Siebdruck, Tiere, Wexstraße…

 

13. Wieso eigentlich Frohstoff?

Wir haben lange darüber nachgedacht. Wir wollten auf keinen Fall etwas englisches und irgendwann hatte unser Kind dann diesen Namen. Das ging uns übrigens bei unserm anderen Kind genauso 😉
Wir wollten einen positiven Namen: Froh und Stoff – eben Frohstoff.

 

14. Was bedeutet der Begriff Arbeit für dich?

Unterschiedlich. Wenn ich im Atelier stehe, ist das keine Arbeit. Dann tue ich das, was ich gerne mache. Existenzdruck macht das dann und wann zu Stress und Arbeit, das kennt ja wahrscheinlich jeder, der sich selbständig macht.

 

15. Auf einer Skala von 1-10: wie geht es dir heute?

Ach, heute gehts 9, ich bin gut drauf.


Quickreport:

1.süss oder salzig? salzig

2. morgens oder abends? morgens

3. mehr ist mehr oder weniger ist mehr? weniger ist mehr

4. lieber allein oder am liebsten mit vielen? lieber allein

5. auto oder fahrrad? auto

6. sekt oder selters? selters

7. berge oder meer? meer

8. electro oder pop? elektropop

9. bleistift oder kugelschreiber? kugelschreiber

10. rom oder hongkong? wenn ich mich entscheiden muss, dann rom.

 

…Danke für dein Mitmachen- und dass du uns teilhaben lässt.


found // by cris

meike //…ist, soweit ich das als Wahlhamburgerin behaupten kann, eine „typische Hamburgerin“. Sie hat ein ruhiges, selbstbewusstes Auftreten, schaut einem beim Reden in die Augen und bekundet Ihre Aufmerksamkeit meist nickend. Sie ist scheinbar nie in Hektik oder busy, freundlich und alles andere als eine Smalltalk-Alster-Perle, die über ihre Diäten, Kinderverdauung oder Yoga-Kurse plaudert.
Ihre Gegenwart verursacht den Slow-Down-Effekt in einem und das ist gut so. Das holt einen aus diesem Alltagswahn, den man sich selbst auferlegt hat, mal raus. Tatsächlich hat MEIKE viel zu tun, sehr viel: Die kleine Tochter, die beiden Hunde, Haus und ihr weiteres Lieblingskind, die eigene Siebdruck-Werkstatt, müssen und wollen am Laufen gehalten werden. Der Vertrieb ihrer eigenen Produktlinie, den sie zusammen mit ihrem Freund und dem Vater ihrer Tochter, Jörg, managed, nimmt stetig zu.
Mir fallen viele Menschen ein, die darüber den ganzen Tag reden und stöhnen würden. MEIKE tut das nicht. Sie macht und lächelt…

Ich kenne sie mittlerweile schon über zehn Jahre. Ich hatte damals ein kleines Label für Kinderkleidung und habe bei Frohstoff T-Shirts bedrucken und labeln lassen. Alles war noch am Anfang. Erst die Gemeinschafts- Kellerwerkstatt, dann der erste Laden in der Bellealiancestraße und  schließlich der Umzug in die Wexstraße. In meinen Augen eine Erfolgsstory, denn ‘Frohstoff MEIKE’ (so steht sie in meinem Adressbuch) ist im Stil und Auftreten immer ihrer Linie treu geblieben. Und das finde offensichtlich nicht nur ich gut — tendaysaweek 🙂

 

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